KI im Unternehmensalltag: Zukunftszentrum MV+ unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (02.10.2023)

Das Zukunftszentrum MV+ berät seit 2019, wie kleine und mittlere Unternehmen künstliche Intelligenz (KI) einsetzen können. Das Projekt, in dem Professor Kurt Sandkuhl und Saskia Paetsch von der Universität Rostock tätig sind, läuft noch weitere dreieinhalb Jahre. Foto: D. Rahming / Universität Rostock
Prof. Dr. Andreas Diettrich spricht über „KI und Weiterbildung – Zwei Seiten einer Medaille“. Foto: Zukunftszentrum MV+

Unternehmerinnen und Unternehmer können vom Einsatz der KI genauso profitieren wie ihre Beschäftigten. Um den Weg dahin aufzuzeigen, sind mehrere Schritte nötig. „Zuerst müssen wir verstehen, welche Ziele und Herausforderungen es in dem jeweiligen Unternehmen gibt“, erläutert Professor Kurt Sandkuhl, Projektpartner im Zukunftszentrum MV+. Oft steht zunächst die Digitalisierung an, die Einführung von KI wäre dann ein zweiter Schritt.

Ein Beispiel: Bei der Firma we3in Bentwisch bei Rostock werden Schaltschränke für den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt und hergestellt. Schnell zeigte sich, dass Digitalisierung viele Prozesse weiter optimieren kann, und am Ende der Beratung stand ein Konzept, das das Unternehmen selbst umgesetzt hat. Die Einführung künstlicher Intelligenz folgte bald: Wenn es wegen Lieferengpässen häufige Verschiebungen der Liefertermine für Teile aus Fernost gibt, müssen die Produktionsplanung und Liefertermine immer wieder angepasst werden. „Wir können den Computer darauf trainieren zu erkennen, welche Art von Dokument in der Mailbox des Unternehmens gelandet ist, dann wichtige Informationen herauszuziehen, wie beispielsweise für welche Bestellung und welche Teile sich die Liefertermine geändert haben, und an die richtigen Stellen im Unternehmen weiterzuleiten“, erklärt Sandkuhl. „So überlässt man der Maschine einen lästigen Teil der Arbeit und entlastet die Mitarbeitenden.“

Die Wirtschaftsinformatiker vom Zukunftszentrum MV+ wissen, wie man bewährte und auch neue Technologien am besten für die Organisation im Betrieb einsetzen kann. Dabei spielen unter anderem Geschäftsmodell, Effizienz und Kunden eine Rolle. „Aber im Mittelpunkt steht immer auch der Mensch. Denn KI wird ihn in vielen Fällen nicht ersetzen, sondern entlasten“, betont Sandkuhl, der auch den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Rostock innehat. „Wir informieren und diskutieren auf der Sachebene.“ Besonders wichtig sei, die Mitarbeitenden von Anfang an in diesen Prozess einzubeziehen. Denn wer die Lösung eines Problems selbst mitgestalten könne, habe größeres Verständnis und Akzeptanz dafür.

Kompetenz direkt im Unternehmen schaffen

Das Regionale Zukunftszentrum MV+ gibt es seit 2019. „Wir sehen uns als Ansprechpartner für die Herausforderungen, denen kleine und mittlere Unternehmen, die so genannten KMU, in Zukunft begegnen“, sagt Projektleiterin Saskia Paetsch vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Gründungspädagogik. „Dabei geht es natürlich um Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, aber auch Fachkräftesicherung und Nachhaltigkeit.“ Die KMU sollen für diese Zukunftsthemen sensibilisiert werden.
Wesentlich ist dabei die Verbindung von Forschung und Praxis. Deshalb arbeiten neun Partner mit der Universität Rostock zusammen, unter anderem der Lehrstuhl Gesundheit und Prävention der Universität Greifswald, die Unternehmerverbände in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg sowie das Bildungswerk der Wirtschaft (BdW). Neu dabei ist das Kolleg für Management und nachhaltige Entwicklung (KMGNE) und die Agentur 13° als Medienpartner.Insgesamt arbeiten 30 Menschen im Projekt mit. Angeboten werden Beratung und Weiterbildung. „Wir kommen nicht mit fertigen Lösungen. Sondern wir wollen Kompetenzen direkt bei dem jeweiligen Unternehmen herstellen“, erläutert Paetsch. Das Zukunftszentrum MV+ entwickelt und erprobt Qualifizierungsangebote für die Mitarbeiter, angepasst an die Bedarfe der Unternehmen.

In den ersten drei Jahren wurden mehr als 1.600 Unternehmen zu unterschiedlichen Zukunftsthemen beraten. Bewährt haben sich klassische als auch innovative Formate wie Fachforen, Barcamps und Workshops, aber auch individuelle Beratungen. „In manchen Branchen, gerade im Handwerk, gibt es noch Skepsis, welche Rolle Digitalisierung und KI spielen können“, hat Paetsch erlebt. „Aber gerade bei wiederkehrenden Aufgaben in der Vor- und Nachbereitung der Produktion gibt es viele Möglichkeiten, das sehen die Unternehmer schnell ein.“
Die Regionalen Zukunftszentren gibt es in jedem Bundesland, sie werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfond Plus (ESF) gefördert. In einer zweiten Phase wurde das Projekt bis Ende 2026 verlängert.

Quelle und weitere Informationen:


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